BMW DA 3 „Rennwagen“

Unser Rennwagen

Das Vorbild – so sollte er aussehen…

…und er wurde doch noch schnittiger!
Zeitungsbericht vom Juni 2010


Die Geschichte unseres Rennwagens

Wie es begann….

Das Volks- und Wirtschaftsmuseum der Stadt Düsseldorf veranstaltete 1978 mit dem Lips-Autodrom aus Drunen in Holland eine große Oldtimerschau in der alten Messehalle am Hofgartenufer, wo sich heute die Victoria-Versicherung befindet. Ein Höhepunkt der Schau war dort ein Oldtimertrödelmarkt . Da ich im Laufe der Jahre einige „Edelschrott“-Teile gesammelt hatte, machte ich dort einen kleinen Stand. Aber nicht um zu verkaufen sondern um mit den Düsseldorfer Oldtimerfreunden unserem Hobby zu frönen. Zu dieser Zeit war der Oldtimerboom noch nicht so heftig und ausgereizt. Wir machten uns dort ein schönes Wochenende, suchten Teile bei anderen Ausstellern und lernten viele Leute kennen. Dabei blieb es nicht aus, dass ich wegen meines Heimvorteils einige „geistige“ Getränke nicht ausschlug und es war damals sehr lustig.


Nie werde ich vergessen, wie in den Nachmittagsstunden ein seriöser Herr bei mir auftauchte und fragte, ob ich Ahnung von einem BMW 315 hätte. Dabei zeigte er mir ein Foto von einem typischen BMW Sportwagen mit den bekannten „Nieren“. Was mir an diesem Fahrzeug auffiel waren jedoch die schmalen Speichenräder. Das konnte kein Sechszylinder sein. Auf meine Frage, wo der Wagen denn in natura zu besichtigen sei, erfuhr ich, dass er nicht weit weg auf der anderen Rheinseite in Düsseldorf-Oberkassel stünde. Wegen meines leichten Alkoholkonsums wollte ich einen Besichtigungstermin vereinbaren, was sich aber erübrigte, weil der nette Herr mir anbot, mich hin und wieder zurück zu fahren. Gesagt – getan.

Der Augenblick der Wahrheit….

In einem kleinen Anbau wurde das Tor zur Seite geschoben und ich sah den Sportwagen. Ein Blick auf die Räder genügte um festzustellen, dass dieses ein DIXI ist, vielleicht mit einer Ihle Karosse. Beim näheren Betrachten der Mechanik erkannte ich die Vorderachse und ich war auf einen Schlag völlig nüchtern! Der Wagen hatte eine geschwungene DA 3 Vorderachse!! Sofort wurde das Typenschild gesucht und darauf war eine 19…. Fahrgestellnummer eingeschlagen! Jetzt war es um mich geschehen! Ein DA 3 in Düsseldorf! Wie kommt der Wagen hierher?? Eine Erklärung war schnell gegeben. Der Anbieter war Besitzer eines großen Bekleidungshauses in Düsseldorf und dieser Wagen stand jahrelang in einer Filiale als „Beschäftigungsobjekt“ für die Kleinen in der Kinderabteilung. So sah der Wagen auch aus: Keine Instrumente, keine Sitze, ein modernes Lenkrad und das Schlimmste war: Eine schrecklich grüne Lackierung bedeckte die verbeulte Karosse. Aber ein DA 3!!! An diesem Tag kam es zu keinem Verkaufsgespräch. Ich hatte den Eindruck, dass ich hier nur als „Spezialist“ zu einer Fahrzeugbestimmung und einem Preisgespräch geholt wurde.


Für mich begann eine unruhige Zeit. Ein DA 3 in meinem Revier. Sollte ein Traum wahr werden? Ich bot mehrmals eine für damalige Zeiten große Summe, bekam aber keine positive Antwort. Es hieß, dass sich die eigenen Söhne nun für den Wagen interessierten. Man wolle da einen Kadett-Motor einbauen und den Wagen dadurch fahrbereit machen. Immer wieder fuhr ich bei jeder Gelegenheit nach Oberkassel, es tat sich aber nichts.


Im Mai 1980 fasste ich erneut meinen Mut und schrieb den Besitzer höflich an, um mich wieder in Erinnerung zu bringen: Nichts! Plötzlich, im September 1980 fand ich rein zufällig eine Annonce in der Rheinischen Post. Das war „mein“ DA 3! Und wieder begannen Verhandlungen. Angeblich hätten sich mehrere auf die Anzeige hin gemeldet und wegen der großen Interessentenzahl wolle man erst einmal abwarten.

Die Anzeige in der Rheinischen Post

Der Erwerb…..

Am 19. November 1980 war es so weit: Ein Kaufvertrag über einen für mich viel zu hohen Preis wurde erstellt und nun war der Wagen mein! Tobias und ich holten ihn dann ab und brachten ihn in unsere alte Halle auf der Christophstraße.

Inzwischen hatte ich mich bei Hans Fleischmann im BMW – Werksarchiv erkundigt. Von ihm erhielt ich die Antwort, dass zu dieser Fahrgestellnummer eindeutig ein DA 3 gehörte, der eine Sonderkarosse bekommen hätte. Daraufhin untersuchte ich die Karosse ganz intensiv. Eine „Ihle“ Karosse war es nicht, es fehlte die runde Kardanabdeckung. Dann waren die nach vorne zu öffnenden Türen viel zu schwer, ebenso das bauchige Heck. Bei der Untersuchung der Frontmaske stellte ich fest, dass diese wohl von einem BMW 315 war, aber geschmälert wurde und das interessanteste war: Die Nierenmaske war auf der originalen DA 2 Frontmaske befestigt! Das konnte nicht die Sonderkarosse sein, mit der der DA 3 wohl ausgeliefert wurde. Diese Blechkarosse, verbeult und verrostet, musste weg! Es fand sich auch bald ein Käufer dafür. Recherchen bei den Vorbesitzern lt. dem Kraftfahrzeugbrief blieben leider erfolglos.

Hier war der DA 3 mit einer Ihle ähnlichen Karosse abgestellt.

Tobias inspizierte das neue Objekt nach der Abholung.


Der Restaurationsbeginn…..

Dann begann ich mit der Restauration der Mechanik. Damals ahnte ich noch nicht, dass die Fertigstellung sich über Jahrzehnte hinziehen wird. Ein Hallenwechsel stand an, alles musste quer durch Düsseldorf in den Norden der Stadt verlagert werden. Nun begann wieder das Restaurieren. 1991 machte ich mit dem leider inzwischen verstorbenen Johannes Buckting die ersten Entwürfe für die Karosserie. Es sollte was einmaliges sein. Zwischenzeitlich waren unsere Jungs auch schon autobegeistert. Für diese standen auch nun Restaurationen von MINIs an, also wieder eine Ruhepause für mein DA 3 Projekt.

Der Motor sollte „heiß“ gemacht werden, das konnten nur die Briten. Anlässlich eines Besuches bei meinem Freund Ken Cooke nahm ich den Motor mit. Eine Phoenix-Kurbelwelle wurde eingebaut, besondere Pleuel beschafft und eines Tages war der Motor auch fertig. Er sollte mit einem VD Kompressor eingesetzt werden. Hier haben die Engländer aber irgendwie nicht den richtigen Plan gehabt und das Kompressor Projekt wurde verworfen. Auch hatte ich Kontakt mit J. Francis Heath aufgenommen, die mir eine besondere Karosse schneidern wollte. Leider verstarb sie, sodass mein Projekt wieder einschlief.

So stand die Mechanik lange Zeit herum.


Und wieder stand ein Hallenwechsel an. Nun ging es vom Norden wieder in den Süden und gar nicht weit weg von unserer Wohnung. So verstrich die Zeit mit MINI Restaurationen, einschließlich MINI – JEM und vielen anderen Dingen. Inzwischen war ich nun auch 60 Jahre alt geworden und ich beschloss das aktive Berufsleben zu beenden und nur noch das zu machen, was uns Spaß und Freude bereitet. Hierzu sollte die Fertigstellung des DA 3 gehören. Unser älterer Sohn Daniel hatte auch geheiratet und geht in seinem IT-Job voll auf (Dank ihm habe ich diese Homepage) und Tobias zog es beruflich nach Berlin. So musste ich mich alleine beschäftigen.

Karosseriebau beginnt….

Ich holte mir einige Angebote ein für einen Karossenaufbau. Die Briten, einschließlich Le Riche von der Insel Jersey hatten für mich utopische Preise. Der Karosseriebauer Janssen aus Holland machte mir ein gutes Angebot, wozu ich mich aber auch nicht entschließen konnte. Durch Zufall lernte ich die Spezialisten von Classic-Concept in Willich, keine 30 km von meinem Wohnort kennen, die sich bereit erklärten, für einen akzeptablen Preis meine Karosse aus Aluminium zu konstruieren und zu bauen. Das inzwischen mechanisch fertig gestellte Fahrwerk wurde nach Willich gebracht. Nach wenigen Tagen erhielt ich schon die Einladung zum Probesitzen, denn die Karosse sollte auf unsere Körpergröße hin gebaut werden. Nun ging es Schlag auf Schlag. Dank der Großmütigkeit der Firmeninhaber durfte ich in deren Betrieb mitwerkeln. Einen grauen Kittel tragend wurde ich als Meister angesprochen. Es war eine herrliche Zeit, dort zu arbeiten. Alle meine Wünsche wurden dort eingebracht und auch durchgezogen. Eine lange Motorhaube, ein bequemer Einstieg, ein Tank im Spitzheck und eine DA 1 Frontmaske musste der Wagen haben. Nichts soll karosseriemäßig auf einen DA 3 hinweisen, am wenigsten etwas an die BMW Karosse. An meinem Renner soll vieles an den Ursprung AUSTIN SEVEN erinnern, daher wurden die Instrumente und Embleme ohne BMW- Logo montiert. Die Hölzer für Sitze und Lehnen wurden angepasst und in wenigen Tagen waren die Ledersitze einbaufertig. Mein Düsseldorfer Oldtimerfreund Friedel Geskes fertigte die komplette Elektrik, so wie ich es haben wollte. Der Prüfingenieur des TÜV war begeistert weil alles bestens funktionierte. Beim Straßenverkehrsamt bekam ich auch das begehrte DA 3 Kennzeichen.

Die Fertigstellung

Nun ist der Renner seit April 2005 fertig, läuft wie der Teufel und ist auch ohne Kompressor schnell genug. Viele Fahrten hat er schon absolviert, war beim Hercules-Bergrennen in Kassel, beim 750 MC Treffen in Beaulieau, beim Rundkurs auf Schloss Dyck und auf dem Nürburgring.

Die Trennung

In der Zwischenzeit sind wir an einen weiteren BMW DA 3 in Form eines Wracks aber mit interessanter Historie gekommen: Der „Film DA 3“. Daher trennten wir uns vom Renner. Er ist nun in einem Privatmuseum in Nürnberg – Silberhorn Classic -. Dort fühlt sich sicherlich gut behütet.

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